07. April 2020

Die welt braucht brückenbauer

 

Der Corona-Virus ist der Anlass und Auslöser für eine weltumspannende kollektive Krise, die jede*n von uns beschäftigt und die ganze Welt in Atem hält. Der flächendeckende behördlich verordnete Lockdown dürfte sich zur grössten Wirtschaftskrise der jüngeren Geschichte ausweiten. Ich sehe in dieser Krise und dem damit verbundenen Lockdown zwar die drohenden Gefahren und Risiken. Aber noch viel mehr sehe ich die Chancen: für jede*n Einzelne*n, für die hedonistische Spassgesellschaft, für die hektische Burnout-Zivilisation, für eine überhitzte und hyperaktive Wirtschaftswelt, für die Natur. Für eine grundlegende Neuorientierung des Menschen und seiner wahren Bestimmung.

 

Vielleicht ist jetzt die Zeit, für eine Hochkonjunktur von Menschlichkeit, Solidarität und Mitgefühl. Vielleicht ist jetzt die Zeit für einen grösseren kollektiven Bewusstseinssprung. Vielleicht ist jetzt die Zeit, um wieder mal ein gutes Buch von A-Z zu lesen. Vielleicht ist jetzt die Zeit für Selbstreflektion, Innenschau und Neuausrichtung auf die wesentlichen Dinge im Leben.

Mark Knopfler sang in einem seiner weltberühmten Songs «Brothers In Arms»: «We live in different worlds.» Ich bewege mich in verschiedenen Welten und ich empfinde es als ein essentielles Problem, indem ich immer wieder zum Schluss komme, dass sich diese Welten, diese Milieus, diese Menschen nicht verstehen wollen, oft nicht verstehen können oder sich gegenseitig sogar offen ablehnen, wenn nicht sogar bekämpfen.

Die orange Moderne: Ich bewege mich in der Welt des Unternehmertums, der Geschäftsleute und der Finanzen. Hier ist die kühle Rationalität und die Ökonomie vorherrschend. Die meisten Entscheidungen werden nach einseitig rationalen und ökonomischen Kriterien gefällt. Diese Einseitigkeit der Moderne hat sich zu einer der grössten «Krankheiten» unserer Zeit entwickelt. Was rentiert ist gut, der Billigste gewinnt oft im monetären Wettbewerb. Das Geld regiert die Welt. Gleichzeitig kommen die wertvollsten und nützlichsten Impulse sehr oft von innovativen Geschäftsleuten und pragmatischen Machern. Dort wo Geschäftsleute und Unternehmer auch ökologische und soziale Kriterien als gleichwertige Basis ihrem Denken und Handeln zu Grunde legen, gibt es die besten Resultate und zukunftstauglichsten Konzepte. Glücklicherweise gibt es immer mehr aufgeschlossene Menschen, die sich im Wertedreieck von Ökonomie + Ökologie + Sozialer Verantwortung bewegen und ausgewogen agieren.

Grüner Pluralismus: Ich bewege mich auch in der Welt von einseitig ökologisch und sozial orientierten Menschen. Oft sind diese Menschen in den sozialen Medien zu treffen und tragen dort auch durchaus zu einem medialen Shitstorm bei, der viele von uns überfordert und verwirrt. Lieber kritisiert man andere, den Staat, die Politik, die da oben, statt in Selbstverantwortung und Freiheit seine eigenen Potentiale zum Wohle aller zu mobilisieren und konstruktiv tätig zu sein.

Gelb – türkis – Integral: Und ich bewege mich in der Welt von geistig und spirituell orientierten Menschen. Ich begegne den diesbezüglichen Impulsen in Büchern, in den sozialen Medien, in verschiedenen spirituellen und integralen Initiativen und in der integralen Politik. Ich sehe viele aufkeimenden Ideen und Blühten, die den Weg weisen können in eine bessere Zukunft mit mehr Eintracht, mit mehr Inklusion und einer Erde im Gleichgewicht.

Mehr denn je braucht es Brückenbauer und Integratoren, die diese verschiedenen Welten und Soziotope zusammenbringen und versöhnen können. Die sich auf auf all diesen verschiedenartigen Bühnen gewandt bewegen können und die Fähigkeit haben, mit all diesen Gruppen ins Gespräch zu kommen und eine emphatische Wellenlänge herstellen können.

Eine integrale Politik kann nur erfolgreich sein, wenn sie diese Brücken schlagen kann. Sonst bleiben die Integralen ein partielles Splittergrüppchen ohne gesellschaftliche Relevanz und ohne politische und finanzielle Kraft.

Terry Patten beschreibt diese Dinge in seinem Buch «Eine neue Republik des Herzens» sehr präzise und liefert dazu auch sehr viel Inspiration, wie diese fragmentierten Welten miteinander ins Gespräch kommen und auf eine integrale Weise versöhnt werden können.

 

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