06. September 2021

über das lesen von büchern

Visionen - Hoffnung - oder dystopie

Richard Brusa
Visionen, Hoffnung oder Dystopie?

 

Diesen Text widme ich ANTONIA + LENA

 

Diese Zeilen sind inspiriert durch ein gutes Gespräch mit meiner 30-jährigen Tochter über ihre Generation und die Zeit, in der wir gerade leben. Auch sie sieht uns in einer Zeit des totalen Überflusses. Unser Gespräch bezog sich auf uns privilegierte Schweizer. Zu viel an Konsum. Zu viele Honigsorten im Kaufhausregal. Zu viele TV-Sender. Zu viele Gratiskanäle. Zuviel Flatterwerbung auf allen Bildschirmen. Zu viel Info-Müll. Zu viele Fake-News. Zu viele Wahlmöglichkeiten, die viele von uns hoffnungslos verwirren und zerstreuen. Zu viele unqualifizierte Meinungsäusserungen, die wir kaum mehr von Wahrheit oder von wahrer Qualität unterscheiden können. Oder unterscheiden wollen?

 

Wir leben in einer Zeit, wo jede:r Oberstufenschüler:in eine umfassende Weltbibliothek in der Tasche mit sich führt. Gleichzeitig ist da aber auch noch ein Spielcasino inbegriffen. Und auch noch das grösste Klatschkaffee der Welt. Weltbibliothek, Spielcasino, Klatschkaffee. Alles jederzeit und gratis verfügbar. Ja, wir leben in einer unglaublich spannenden und herausfordernden Zeit.

 

Das gedruckte Buch ist zu alldem das perfekte Gegenmittel. Buchautor:en:innen empfinde ich oft wie Freunde, die zu mir sprechen. Freunde, die in aller Sorgfalt und ohne sofortige Gegenrede, ihre Botschaften differenziert darlegen können. Und unzählige Autoren:innen bemühen sich, die Quintessenz ihres Suchens und Strebens so gut darzulegen, wie nur möglich. Damit wird eine gut sortierte Büchersammlung zu einer reichen Schatzkammer, zu einer Oase des Geistes, zu einer Quelle für Inspiration und persönlicher Weiterbildung. Zu einem Medikament für innere Fokussierung und Sinnstiftung. Und zu einem Visionslabor für eine wünschenswerte Zukunft.

 

Auch in der unendlich weitläufigen Welt der Bücher kann man sich hoffnungslos verlieren und verzetteln. Um dem entgegenzuwirken empfehle ich, immer zuerst die Quelle zu prüfen. Wer ist die Autorin, der Autor? Habe ich zu ihr oder zu ihm Vertrauen? Gehört sie vielleicht zu jenen Lieblingsautorinnen, deren Wirken ich schon seit Jahren mitverfolge und die dadurch mein uneingeschränktes Vertrauen geniessen? Eben wie bei guten Freundschaften.

 

Meine zweite Empfehlung ist, sich selbst zuerst die Fragen zu stellen. Das mache ich vor der Auswahl der für mich besten und passendsten Bücher. Aber auch vor der Lektüre von Kapiteln und Themen. Ich stelle die Fragen! Die Autorin oder der Autor hat vielleicht eine bessere und umfassendere Antwort gefunden als ich. Und vielleicht inspiriert sie mich zu einer eigenen neu geformten Antwort.

 

Ein Erlebnis der besonderen Art ist der Besuch einer richtigen Buchhandlung – auch im digitalen Zeitalter. Manche mögen die kleinen und überschaubaren Bücherecken. Bei mir kann eine Buchhandlung gar nicht gross genug sein. Hier betrete ich ein ganzes Universum mit allen denkbaren Fachgebieten und Themen. Von der Unterhaltungs-abteilung, zur Kochecke, zu Ferien und Reisen, zu Philosophie, Psychologie und Spiritualität, zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Überall gibt es eine uferlose Fülle von Anregungen und kreativen Impulsen, die meine eigene Lebendigkeit anstacheln. Und damit man in dieser Vielfalt nicht den Überblick verliert und konfus wird, gibt es diese ganz einfache Empfehlung: Stelle Dir selbst die Fragen! Dann findest Du die für Dich und Deinen jetzigen Stand stimmigen Antworten.

 

Zu den ausgewählten drei Autor:en:innen

Diese gehören ausnahmslos zu jenen Menschen, auf die wir gerade jetzt hören sollten: 

 

Maja Göpel gehört zu den Mitbegründerinnen von "Scientists For Future". Gemeinsam mit der Jugendbewegung "Fridays For Future" vertreten diese die ganz einfache und klare Botschaft bezüglich Klimawandel und Erderwärmung: "Bitte hört, was die Wissenschaftler sagen - und bitte handelt dementsprechend!" Maja Göpel ist auf Youtube zu finden (höchste Empfehlung) und ihr neustes Buch "Wir können auch anders / Aufbruch in die Welt von morgen" erscheint im Oktober 2021.

 

Matthias Horx ist einer der renommiertesten Zukunftsforscher und Autoren im deutschsprachigen Raum. Seine zahlreichen klugen Texte und Bücher sind beste Inspiration für grösseres Denken und evolutionäre Entwicklungstendenzen für eine lebenswerte Zukunft. 

 

Über James Lawrence Powell weiss ich noch nicht sehr viel, ausser dass er ein älterer weisser Amerikaner ist, der sich in höchsten Ämtern verdient gemacht hat. Seine dystopische Beschreibung dessen, was auf uns zukommt, soll wissenschaftsbasiert sein, ist äusserst beunruhigend und rüttelt hoffentlich viele Menschen aus dem selbst verantworteten Dämmerschlaf. Meine Kritik an ihm bezieht sich einzig auf sein Liebäugeln mit Atomtechnologie, obwohl inzwischen hinreichend belegt ist, dass Photovoltaik-Strom günstiger und nachhaltiger ist, als Strom aus der neusten Generation von Atommeilern.

 

 

 

Richard Brusa
Maja Göpel - Matthias Horx - James Lawrence Powell